Luxemburger Wort: Finanzierungslücke ist enorm - Von weltweit 100 auf Mikrofinanzierung spezialisierte Fonds sind über 20 in Luxemburg aufgelegt
Kleine Investition, große Wirkung: So in etwa ließe sich die Hebelwirkung von Kleinstkrediten in armen Ländern beschreiben. Am Finanzplatz hat sich mit der Mikrofinanz eine wachsende Nische aufgetan. Von den weltweit knapp hundert auf Mikrofinanzierung spezialisierte Investmentfonds sind über 20 in Luxemburg aufgelegt. Sie verwalten ein Gesamtvolumen von 1,2 Milliarden Dollar. Die von der Regierung im Haushaltsentwurf 2010 bekundete Absicht, Mikrofinanzfonds von der „taxe d'abonnement“ zu befreien, dürfte für weiteren Aufschwung sorgen.
Seit Mitte der 80er-Jahre tragen Mikrofinanz-Projekte erfolgreich zur Armutsbekämpfung bei. Spezialisierte Mikrofinanzinstitute (MFIs), Nicht-Regierungsorganisationen, Stiftungen, und Kooperativen vergeben Klein- und Kleinstkredite an Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern, denen der Zugang zum offiziellen Bankensystem verwehrt ist. Schon mit kleinen Beträgen, etwa ein paar hundert Euro, können sie sich eine neue Existenz aufbauen und so ihre Familien zu Wohlstand verhelfen.
Die Mikrofinanz ist eigentlich ein Kreditkonzept für die dritte Welt und für Schwellenländer. In Bangladesch, Indien, Ecuador oder Uganda hat sich das System, bei dem Darlehen in minimaler Stückelung an Kleinstunternehmer vergeben werden, schon vor vielen Jahren durchgesetzt und als wirksame Waffe im Kampf gegen die Armut etabliert. Die Mikrofinanz kann die in den westlichen Industrieländern vorhandene Kompetenz im Bereich der Vermögensverwaltung gewinnbringend anwenden. So ist es nicht verwunderlich, dass sich am Luxemburger Finanzplatz im Bereich der Mikrofinanz eine erfolgreiche Nische gebildet hat.
Hohe Nachfrage nach Mikrokrediten
Insgesamt gibt es etwa 10 000 Mikrofinanzinstitute in etwa 80 Ländern der Welt. 50 Prozent aller MFIs sind in Asien tätig, weitere 30 Prozent auf dem afrikanischen Kontinent. In Lateinamerika ist die Professionalisierung der MFIs am weitesten fortgeschritten, was bedeutet, dass ihre Zahl durch Konsolidierung geringer wurde, ihre jeweiligen verwalteten Volumina dafür aber umso umfangreicher.
Die Nachfrage nach Mikrokrediten ist hoch, weil die Armen von den Geschäftsbanken wegen ihrer angeblich geringen Kreditwürdigkeit nicht beachtet werden. Tatsächlich aber sind die Ausfallraten bei Kleinstkrediten sehr gering. Eine Studie der Deutschen Bank schätzt die potenzielle Nachfrage nach Mikrokrediten auf 260 Milliarden Dollar. Weltweit werden aber erst rund 17 Milliarden Dollar an Kleinstkrediten an etwa 150 Millionen Menschen vergeben. Die Zahl der potenziellen Kunden wird jedoch auf etwa 1,5 Milliarden geschätzt. Die Finanzierungslücke, im Fachjargon „Funding Gap“ genannt, ist somit enorm.
Die Schwierigkeit besteht darin, Angebot und Nachfrage zusammenzubringen. Die möglichen Kunden sind in ihren zumeist ländlichen und unwegigen Wohngebieten nur schwer zu erreichen.




