visavis.de: "Gutes Kapital" für die Erde
17.01.2012Die Wirtschaftskrise legt die Auswüchse des Finanzsystems schonungslos offen. Für Unbehagen sorgt die große Lücke, die zwischen der Realwirtschaft und der virtuellen Finanzwelt klafft.
Losgelöst von der im Kern gesunden Realwirtschaft hat die Finanzwelt ein dynamisches Eigenleben entwickelt. Durch den Wildwuchs komplexer synthetischer Finanzprodukte bildete sich eine Blase, die sich verselbständigte und mit lautem Knall zerbarst. Doch eine Umkehr der Situation zeichnet sich ab. Auch, weil sich die Akteure in der Globalökonomie wieder auf Vernunft und Verantwortung besinnen. Im Rahmen eines Wertewandels wird der Realwirtschaft Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei steht Substanz und nicht „Virtuelles“ im Vordergrund. Die Finanzwelt setzt auf wahre Werte, auf Sicherheit und Nachhaltigkeit also. Anleger erkennen: Der Planet Erde bietet den Menschen wahre Werte. Nach der oft unbedachten Ausbeutung der Ökosysteme des Planeten Erde hat ein Umdenken eingesetzt, weil sich „Mutter Erde“ mit Katastrophen wie Erdbeben, Überschwemmungen und Dürren zur Wehr setzt. Mehr Anleger investieren in die „Runderneuerung des Planeten Erde“ – in moderne ressourcensparende Technologien. Investments mit ökologischem und ethischem Hintergrund erleben einen Boom. Hier wird von nachhaltigen und ethischen Investments, „Socially Responsible Investments“ (SRI), gesprochen. Hierunter fallen auch Mikrokredite, die meist Banken und Versicherungen mit religiösem Hintergrund Kunden in Schwellenländern zur Verfügung stellen, die von herkömmlichen Banken kaum bedient werden. Mikrofinanz wird von Politikern auch als Instrument der Entwicklungszusammenarbeit betrachtet. Obwohl bis heute keine einheitliche SRI-Definition existiert, geht die Weltbank davon aus, dass rund 7,5 Billionen US-Dollar in Investmentformen stecken, die einen direkten Bezug zur Ökologie oder zu ethischem und moralischem Verhalten aufweisen. Das entspricht einem Anteil von weniger als 15 Prozent des in solche Investmentformen weltweit insgesamt investierten liquiden Kapitals. Diese Zahlen nehmen sich bescheiden aus, doch weisen SRI-Investments eine starke Dynamik auf. Denn die Wachstumsraten erreichten in der vergangenen Dekade 15 bis 25 Prozent p.a. Es ist zu berücksichtigen, dass das Bewusstsein für einen schonenderen Umgang mit Rohstoffen und Ressourcen in Europa weiter fortgeschritten ist als in anderen Teilen der Welt. So überrascht nicht, dass der größte Teil des „nachhaltigen Kapitals“ aus Europa stammt.
Das Anlegergeld fließt dabei in Anlageformen wie Aktien, Anleihen, Fonds, Zertifikate, aber auch in Private Equity und Hedgefonds. Investiert wird in einzelne Aktien und spezielle SRI-Indizes, die bewusst Aktien von Firmen abbilden, die keine ethischen und moralischen Negativ-Kriterien wie Waffenproduktion, Atomenergie, Kinderarbeit und Korruption aufweisen.
Ethische und nachhaltige Investments gelten wegen der positiven Zukunftsperspektiven auch in turbulenten Zeiten als sichere Geldanlage. Anleger müssen davon ausgehen, dass sich auch die meisten der in diese Kategorie fallenden Unternehmen negativen Auswirkungen einer Krise nicht entziehen können. Aktien von nachhaltig agierenden Unternehmen werden aber längerfristig wegen der gezielten Ausrichtung „pro Planet Erde“ – Ressourcenschonung, Recycling, Cleantech, erneuerbare Energieträger etc. – eine bessere Akzeptanz in der Wirtschaft finden und dann auch an den Börsen zu den Gewinnern zählen.
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